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Seitenstechen beim Laufen

🤕 Seitenstechen beim Laufen – woher es kommt und was wirklich hilft

Andreas Lindpointner
Zuletzt aktualisiert am 07.04.2026 Redaktioneller Hinweis: Dieser Beitrag wird bei Bedarf fachlich geprüft und aktualisiert. Redaktionsrichtlinien Testing Policy

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Fast jede:r Läufer:in kennt es: Du bist mitten im Lauf, alles läuft rund – und plötzlich kommt dieser stechende Schmerz in der Seite. Du atmest schwer, der Rhythmus ist dahin, und du musst langsamer werden oder sogar stehen bleiben. Seitenstechen gehört zu den häufigsten Beschwerden beim Laufen – und gleichzeitig zu den am wenigsten verstandenen.

Doch was steckt wirklich dahinter? Warum tritt Seitenstechen gerade bei manchen häufiger auf? Und was kannst du tun – sowohl präventiv, als auch während des Laufens, wenn es dich doch einmal erwischt?

In diesem ausführlichen machsport-Ratgeber erfährst du alles, was du über Seitenstechen wissen musst:

  • woher es kommt und was medizinisch dahinter steckt,
  • welche typischen Auslöser es gibt,
  • wie du es vermeidest,
  • und welche Sofortmaßnahmen wirklich helfen, wenn der Schmerz auftritt.

🧠 Was ist Seitenstechen überhaupt?

Seitenstechen ist ein plötzlich auftretender, stechender oder krampfartiger Schmerz im seitlichen Bauchraum – meist unterhalb der Rippen, häufiger auf der rechten Seite. Medizinisch nennt man das Phänomen "Exercise Related Transient Abdominal Pain" (ETAP) – also belastungsbedingter, vorübergehender Bauchschmerz.

Er tritt besonders bei Ausdauersportarten mit rhythmischer Atmung und Bewegung auf – also beim Laufen, Reiten oder Schwimmen. In der Regel ist Seitenstechen harmlos, aber extrem unangenehm, weil es dich sofort aus dem Rhythmus bringt.


🔬 Medizinischer Hintergrund – was passiert im Körper?

Die genaue Ursache von Seitenstechen ist bis heute nicht eindeutig geklärt, aber die Forschung liefert mehrere plausible Erklärungen. Wahrscheinlich ist es ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die zusammenwirken.

Die wichtigsten Theorien:

1. Überlastung des Zwerchfells

Das Zwerchfell ist der wichtigste Atemmuskel – eine dünne, kuppelförmige Muskelplatte, die Brust- und Bauchraum trennt.
Beim Einatmen zieht sie sich zusammen, beim Ausatmen entspannt sie. Wenn du zu schnell oder flach atmest, wird das Zwerchfell überlastet, verkrampft und zieht an den umgebenden Strukturen – das kann zu Schmerzen führen, meist auf der rechten Seite.

2. Durchblutungsprobleme

Beim Laufen arbeitet dein Körper auf Hochtouren. Das Blut fließt vermehrt zu den Beinen, um die Muskeln zu versorgen. Dadurch bekommt das Zwerchfell zeitweise weniger Sauerstoff, was ebenfalls zu Verkrampfungen führen kann.

3. Reizung der Bänder an der Leber und Milz

Die Leber (rechts) und Milz (links) hängen an kleinen Bändern, die mit dem Zwerchfell verbunden sind. Bei starker Bewegung – besonders bei ungewohnter Belastung oder vollem Magen – können diese Bänder zugbelastet werden, was zu den typischen stechenden Schmerzen führt.

4. Verdauung und Ernährung

Ein voller Magen, kohlensäurehaltige Getränke oder zuckerreiche Snacks vor dem Lauf können den Druck im Bauch erhöhen und die Atmung beeinflussen. Die Folge: Seitenstechen.

5. Fehlhaltung oder schwache Rumpfmuskulatur

Ein instabiler Oberkörper zwingt das Zwerchfell zu Ausgleichsbewegungen, was zu einer unregelmäßigen Atmung und Verspannung führen kann.

Kurz gesagt: Seitenstechen ist keine reine Atemstörung, sondern das Ergebnis aus Atmung, Haltung, Durchblutung und Organbelastung.


⚠️ Häufige Auslöser – wann Seitenstechen besonders auftritt

Seitenstechen ist kein Zufall. Meist lässt es sich auf typische Situationen zurückführen:

  • Du isst oder trinkst zu kurz vor dem Lauf.
  • Du startest zu schnell – der Körper ist noch nicht auf Betriebstemperatur.
  • Deine Atmung ist unregelmäßig oder zu flach.
  • Du spannst beim Laufen zu sehr den Oberkörper an.
  • Du hast eine schwache Rumpfmuskulatur oder falsche Laufhaltung.
  • Du bist nicht ausreichend aufgewärmt.
  • Du trinkst kohlensäurehaltige oder zuckerreiche Getränke kurz vor dem Start.

Seitenstechen betrifft übrigens Anfänger:innen häufiger als erfahrene Läufer:innen, weil der Körper sich noch nicht an die rhythmische Belastung gewöhnt hat.


💨 Prävention – so beugst du Seitenstechen wirksam vor

1. Richtig atmen

Atmung ist der Schlüssel. Viele Läufer:innen atmen zu flach oder zu schnell, besonders wenn die Belastung steigt. Das führt dazu, dass das Zwerchfell ständig unter Spannung steht.

So machst du es besser:

  • Atme tief in den Bauch, nicht nur in die Brust.
  • Finde einen gleichmäßigen Atemrhythmus, z. B. 3 Schritte ein, 2 Schritte aus.
  • Synchronisiere Atmung und Schrittfrequenz – so bleibt das Zwerchfell entspannt.
  • Übe das Bauchatmen auch im Alltag – das stärkt dein Zwerchfell.

2. Warmes Aufwärmen statt kaltem Start

Ein kalter Start ist Gift für den Körper. Starte dein Training mit 5–10 Minuten lockerem Einlaufen und mobilisiere deinen Oberkörper. So bereitest du Muskeln, Kreislauf und Atmung auf die Belastung vor.

Leichte Dehnübungen für Bauch, Rumpf und Brustkorb helfen, Spannung zu reduzieren.


3. Richtige Ernährung & Trinken vor dem Lauf

Zu viel oder das Falsche vor dem Laufen ist einer der größten Auslöser.

  • Nicht direkt nach dem Essen laufen: Warte nach einer Hauptmahlzeit mindestens 2–3 Stunden.
  • Trinke rechtzeitig, aber nicht kurz vor dem Start große Mengen.
  • Vermeide kohlensäurehaltige Getränke, Fruchtsäfte oder Energy Drinks.
  • Leichte Kost vor dem Lauf: z. B. Banane, Haferflocken, Toast.

Auch das Timing deiner Mahlzeiten spielt eine Rolle. Experimentiere, wann dein Körper am besten läuft – manche vertragen leichte Mahlzeiten 1 Stunde vorher, andere brauchen 3 Stunden Pause.


4. Rumpfstabilität trainieren

Ein starker Rumpf entlastet das Zwerchfell und sorgt für eine stabile Haltung beim Laufen. Besonders Bauch-, Rücken- und Beckenmuskulatur spielen eine wichtige Rolle.

Regelmäßiges Core-Training hilft enorm:

  • Plank (Unterarmstütz) – 3×30–60 Sekunden
  • Seitstütz – stärkt die seitlichen Bauchmuskeln
  • Bird Dog (Gegengleiche Arm-/Beinbewegung)
  • Russian Twists oder Superman-Übung

Eine stabile Körpermitte bedeutet: weniger Bewegungen im Oberkörper, ruhigere Atmung, weniger Reiz auf das Zwerchfell.


5. Langsam steigern

Viele bekommen Seitenstechen, weil sie zu schnell loslaufen. Starte langsam, gib deinem Körper Zeit, sich an den Rhythmus zu gewöhnen. Besonders bei Tempoläufen oder Intervallen gilt: erst atmen, dann beschleunigen.


6. Atmung bewusst trainieren

Wie bei der Muskulatur lässt sich auch das Zwerchfell trainieren. Atemübungen helfen, die Kontrolle zu verbessern:

  • Tief einatmen, bis sich der Bauch hebt, dann langsam ausatmen.
  • Übe das im Sitzen oder Liegen – 5 Minuten täglich reichen.
  • Auch Yoga- oder Atemtechniken aus dem Schwimmtraining sind hilfreich.

⏱️ Wenn Seitenstechen während des Laufens auftritt – was tun?

Trotz aller Vorbereitung kann es passieren. Dann gilt: nicht in Panik verfallen, sondern gezielt reagieren.

Schritt-für-Schritt-Hilfe bei akutem Seitenstechen:

  • Tempo reduzieren:
    Lauf langsamer oder geh kurz – keine Scham dabei.
  • Atmung kontrollieren:
    Atme tief durch die Nase ein und kräftig durch den Mund aus.
    Versuche, beim Ausatmen leicht nach vorne zu beugen.
  • Seitlich Druck ausüben:
    Drücke mit der Hand auf die schmerzende Stelle, während du tief ausatmest.
    Das entlastet die Faszien und kann sofort Linderung bringen.
  • Beuge dich leicht nach vorne:
    So entspannst du das Zwerchfell.
  • Ruhig weitergehen, nicht abrupt stehenbleiben:
    Das hilft, den Rhythmus zu normalisieren.

Nach ein paar Minuten sollte der Schmerz abklingen. Wenn nicht, ist eine kurze Pause sinnvoll – danach langsam wieder einsteigen.


🧬 Zusammenhang mit Fitness, Körperbau & Trainingszustand

Seitenstechen betrifft untrainierte Läufer:innen häufiger, da ihr Körper die koordinierte Atmung-Bewegung-Belastung noch nicht gewohnt ist.

Interessant: Studien zeigen, dass Menschen mit schwächerer Rumpfmuskulatur, flacher Atmung oder größerer Schrittfrequenz tendenziell öfter betroffen sind. Auch Kinder und Jugendliche neigen eher dazu, da ihr Zwerchfell empfindlicher reagiert.

Das bedeutet: Je besser du trainiert bist – sowohl konditionell als auch muskulär – desto seltener wirst du Seitenstechen erleben.


🚫 Mythen & Irrtümer rund um Seitenstechen

Rund um das Thema kursieren viele falsche Vorstellungen. Hier ein paar typische Missverständnisse:

  • „Ich habe Seitenstechen, also bin ich unfit.“
    → Nicht unbedingt. Auch Profis bekommen es – meist bei ungewohntem Training oder zu vollem Magen.
  • „Einfach tief einatmen, dann geht’s weg.“
    → Allein tiefes Atmen hilft selten. Entscheidend ist der Atemrhythmus und die Entspannung des Zwerchfells.
  • „Ich darf nie trinken beim Laufen.“
    → Doch! Nur richtig – kleine Schlucke, stilles Wasser, nicht kurz vor dem Start.
  • „Man kann nichts dagegen tun.“
    → Stimmt nicht! Mit richtiger Vorbereitung, Atmung und Rumpfstabilität kannst du Seitenstechen fast immer vermeiden.

🧘♂️ Übungen & Routinen zur Vorbeugung

  • 1. Atemtraining im Alltag:
    Atme im Sitzen tief in den Bauch, halte kurz, und atme doppelt so lange aus. Das stärkt dein Zwerchfell.
  • 2. Mobilisierung vor dem Lauf:
    Seitbeugen, Schulterkreisen und Drehbewegungen lockern die Rumpfmuskulatur.
  • 3. Core-Training:
    Planks, Crunches, Beinheben – 2–3 Mal pro Woche stärkt den gesamten Oberkörper.
  • 4. Bewusste Ernährung:
    Keine schweren, fettigen Mahlzeiten vor dem Training. Iss lieber leicht – Kohlenhydrate, wenig Fett, moderate Portionen.
  • 5. Pausen zwischen Essen & Laufen:
    Mindestens 2 Stunden Pause, besser 3.
  • 6. Flüssigkeitsmanagement:
    Trinke ausreichend über den Tag verteilt, aber nicht direkt vor dem Start große Mengen.

💡 Bonus-Tipp: Seitenstechen als Warnsignal verstehen

Seitenstechen ist kein Zufall. Wenn du es regelmäßig bekommst, ist es ein Zeichen, dass Atmung, Haltung oder Belastung nicht optimal sind.

Das ist kein Drama – im Gegenteil, dein Körper gibt dir ein Signal, dass du etwas anpassen kannst. Nimm es als Chance, bewusster zu laufen:

  • Atme ruhiger.
  • Starte langsamer.
  • Achte auf deinen Rumpf.

Mit ein wenig Training verschwindet das Seitenstechen oft dauerhaft.


✅ Fazit & Takeaways

Seitenstechen ist unangenehm – aber harmlos und vermeidbar. Es entsteht durch ein Zusammenspiel aus Atmung, Haltung, Ernährung und Belastung. Wenn du lernst, diese Faktoren zu kontrollieren, wirst du kaum noch Probleme haben.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Starte dein Training nie kalt – immer locker einlaufen.
  • Atme tief und rhythmisch – 3 Schritte ein, 2 Schritte aus.
  • Iss leicht und mit Abstand vor dem Lauf.
  • Stärke deinen Rumpf regelmäßig.
  • Reduziere Tempo, wenn Seitenstechen auftritt, und drücke leicht auf die Stelle.
  • Nach dem Lauf: Dehne, atme ruhig aus, trinke stilles Wasser.

Mit diesen Tipps läuft’s im wahrsten Sinne des Wortes wieder rund – ganz ohne stechende Unterbrechungen.


❓ FAQ

Warum bekomme ich Seitenstechen immer rechts?
Weil dort die Leber liegt, die stärker mit dem Zwerchfell verbunden ist – sie zieht beim Einatmen leicht an den Bändern und verursacht den typischen Schmerz.

Hilft Dehnen gegen Seitenstechen?
Ja, Dehnen vor dem Lauf – besonders der Rumpf und Oberkörper – kann das Risiko deutlich senken.

Kann man weiterlaufen, wenn man Seitenstechen hat?
Langsamer ja, aber nicht gegen den Schmerz anrennen. Reduziere Tempo, atme ruhig und drücke sanft auf die betroffene Stelle.

Kann Seitenstechen gefährlich sein?
Nein. Es ist unangenehm, aber nicht gefährlich. Wenn Schmerzen dauerhaft bleiben oder anders auftreten, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Wie trainiere ich, um Seitenstechen loszuwerden?
Mit regelmäßigem Core-Training, bewusster Atmung und angepasstem Tempo. Mit wachsender Routine verschwindet es meist von selbst.

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